Von Gott sprechen. Ohne Extremismus.

Neulich meinte ein Pfarrer in einer Andacht, dass die derzeitige Krise der Kirche eine spirituelle Krise sei. Ich weiß, dass es gerade in Mode ist, von Krisen zu reden. Klimakrise, zwischenstaatliche Beziehungskrise. Das alles stimmt irgendwie, und der Pfarrer hatte sicher Recht – aber irgendwie lenkt es den Blick zu sehr auf die Probleme. Die Frage müsste, positiv formuliert, eher lauten: Wir kann ich der Spiritualität mehr Raum geben, statt mich darüber zu beschweren, dass sie nicht da ist. Oder auch: Wie kann ich mehr von Gott reden, ohne dass das als Problem wahrgenommen wird?

Denn ein Problem ist es an vielen Stellen. Spreche ich in meiner Kirchengemeinde zu offensiv über Gott, dann sind die Leute, gelinde gesagt, irritiert. Wir sind es derart gewohnt, uns auf unsere eigenen Problemlösungskompetenzen zu verlassen, dass wir Seine Kompetenz aus dem Blick verlieren. So scheint es mir zumindest häufig.

Und wenn ich dann von Gott spreche, dann reagieren die Menschen irritiert, ja sie haben  Angst. Dass wir Fundamentalisten werden. Dass wir auf einmal die halbe Welt überrennen und zu hundertfünfzigprozentigen Christen machen wollen. Dass wir in die Nähe einer Sekte rücken. Dass wir für verrückt gehalten werden. All sowas spielt da rein.

Als Jesus übers Wasser zu den Jüngern ging (Matthäus 15), da hatten die Jünger Angst. Sie hatten an dieser Stelle nicht mit ihm gerechnet, hielten ihn für ein Schreckgespenst. So wirkt es manchmal, wenn ich in Gremien darüber spreche, dass wir Gott auch etwas zutrauen sollen. Damit haben die Leute an dieser Stelle nicht gerechnet. Das gehört in den Gottesdienst. Aber hierhin? Das wirkt wie ein Schreckgespenst, wie etwas, was die Menschen ängstigt. Werden wir jetzt extremistisch?

Dabei fordern die Menschen außerhalb der Kirche das doch ein. Dass wir über Gott reden. Das erwarten sie von Kirche. Dass wir helfen bei der Integration Geflüchteter, dass wir Jugendarbeit machen, Ferienangebote usw.: geschenkt. Das machen wir, und das machen wir oft auch gut – unser Alleinstellungsmerkmal, ja unsere Daseinsberechtigung ist aber was anderes: Wer sonst redet über den dreieinigen Gott, wenn nicht die Kirchen? Wer betet zu ihm vor dem Essen, wenn nicht die Christen?  Wer spricht darüber, dass Gott Dinge tun kann, die wir Menschen nicht tun können? Und das nicht nur sonntags sondern als Grundhaltung in allem mitschwingend? Wollen wir das alles den Extremisten überlassen? Den Fundis? Denen, die dieses großartige Geschenk missbrauchen? Ich glaube nicht.

Jesus hat den Jüngern gesagt: „Fürchtet Euch nicht.“ Und dann ist er ins Boot gestiegen. Als Pfarrerin, als Gemeindepädagoge, als Presbyteriumsvorsitzende zu sagen: „Fürchtet euch nicht, denn Jesus ist mit im Boot.“ Gott ist doch dabei, er steht gegen die Angst, rettet aus dem Sturm – dann sprecht auch drüber. Das erfordert Mut. Aber paradoxerweise bestärkt er genau darin. Wenn wir das nicht unterdrücken.

Also: offen reden. Gott was zutrauen. Jesus nicht den Extremisten überlassen. Das ist ein Auftrag. Los geht’s.

IMG_2685.jpg

Advertisements

2 Kommentare zu „Von Gott sprechen. Ohne Extremismus.

Gib deinen ab

  1. Ich find’s richtig. Aber als Mensch des 21. Jahrhundert eine echte Herausforderung, etwas an einen unsichtbaren Gott abgeben zu müssen. Das ist wie der Aufbruch ins gelobte Land ohne Karte, Handy und Navi. Aber die haben’s damals auch geschafft!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑