Eine Kirche voller Kinder, die es nicht gibt.

„Wenn ich in die Statistik sehe, sehe ich keine Kinder.“ So ähnlich hat es ein Pfarrer auf unserer Kreissynode formuliert. Das Verwaltungsprogramm sagt: wir haben keine Kinder. Ich kenne den Stadtteil, in dem dieser Pfarrer lebt und arbeitet. Es gibt dort eine Handvoll Kitas, es gibt überfüllte Spielplätze, es gibt Cafés mit Kinderecken, sogar das Einkaufszentrum hat einen Indoor-Spielplatz. Was stimmt nun? Die äußere Wahrnehmung oder die Daten im Computer? Beides. Denn die wenigsten dieser Kinder sind evangelisch. Und viele haben einen Migrationshintergrund.

Wie gehe ich damit um? Konzentriere ich mich auf die, für die ich mich per Computer zuständig sehe? Oder muss ich mich für alle zuständig fühlen, ein Missionar in der Nachbarschaft unter Katholiken und Muslimen werden?

Mir liegt beides nicht. Aber ich möchte auch nicht einsehen, dass es nur das eine oder das andere geben soll.

Was nämlich ist mit den nichtevangelischen Kindern zum Beispiel, deren Eltern klassisch entkirchlicht sind? Selber noch getauft aber mit dem ersten Gehaltszettel ausgestiegen? Sind wir für die nicht zuständig? Nur weil die Eltern einen schlechten Punkt in ihrer kirchlichen Sozialisation hatten? Weil sie vielleicht mit Pfarrerinnen und Pfarrern zu tun hatten, die ihnen die Relevanz von Kirche für ihr eigenes Leben nicht vermitteln konnten? Das wäre so eine Art Sippenhaft.

Für uns als Kirche müsste es schon aus Gründen der Umkehr, aus der Erkenntnis der eigenen Versäumnisse an Generationen von Menschen heißen, gerade diese Kinder in den Blick zu nehmen. Ihnen gute Kinder- und Jugendarbeit zu bieten, sie vor eine ernsthafte Alternative zu stellen und nicht einfach abzuschreiben.

Natürlich weiß ich, dass man auf die Zahlen achten muss. Wenn die Stadtteilstatistik sagt, dass es keine Jugendlichen gibt, dann kann ich nichts machen. Aber: wenn meine eigene Statistik mir sagt, dass ich für die Kinder, die offensichtlich vor Ort sind, nicht zuständig bin, muss ich mich dem dann beugen? Oder: Darf ich mich darauf ausruhen?
Ich könnte es ja auch als Herausforderung sehen. Ich könnte ja auch gucken, ob es nicht Spaß macht, Angebote für und mit diesen Menschen zu entwickeln. Ungewohnter Blick. Mir aber tausendmal lieber als dieses resignative Dakönnenwirnichtsmachen. Vor allem angesichts der Erkenntnis, dass allein unser Kirchenkreis pro Jahr 1,4 % seiner Mitglieder verliert. Mir macht das Sorgen.

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