Wohin sind wir unterwegs? Der Heilige Geist als Schwarmintelligenz der Gemeinde

Wir haben derzeit eine Ausstellung in der Kirche. Sie heißt „Chor und Schwarm“. Der Künstler Jo Pellenz hat sie gebaut, und er hat sie bewusst deutungsoffen gelassen. Ein großer Chor aus Papiersilhouetten erhebt sich von der Mitte der Kirche bis zum Himmel. Und rundherum an der Kirchenwand entlang schwimmt ein riesiger Schwarm aus Fischen.

Ich schreibe das nicht, um Werbung für unsere Ausstellung zu machen. Ich schreibe es, weil wir uns in den vergangenen Wochen immer wieder theologisch damit auseinandergesetzt haben.

Ich habe zum Beispiel gelernt, dass jeder Fisch in einem Schwarm die Richtung angeben kann. Wenn ein Fisch die Richtung ändert, egal wo im Schwarm, folgen die anderen. Was für ein schönes Bild von Kirche, konkret von einer Kirche, in der die Menschen doch alle gemeinsam die Bibel auslegen sollen, um miteinander den Weg zu suchen. Dann wäre der Heilige Geist die Schwarmintelligenz Gottes.

Das haben wir ernst genommen. Und wir haben die Menschen gefragt. Gestern im Gottesdienst. Es war ein besonderer Gottesdienst, mit Croissants und Kaffee, mit Tischen zum Dransitzen, mit Stühlen mit Blick auf die Installation – und mit einer Schwarmintelligenzphase statt Predigt.

Der Impuls: Israel hatte Gott in Form von Feuer- und Wolkensäule. Ihm konnten sie folgen. Wir haben das nicht so sichtbar, so fühlbar, so eindrücklich. Wir müssen unsere Schwarmintelligenz nutzen, um Gott zu folgen.

Also sollten die Gemeindeglieder eine Feuersäule beschriften: Wohin schwimmen wir? Was wünscht ihr euch von der Gemeinde? Wonach sehnt ihr euch? Was soll die Kirche in Mülheim tun?

An einer zweiten Station durfte abgestimmt werden. Die Richtung klargemacht. Ein kleines Fläschchen zu jedem Gemeindeangebot, und die Menschen durften insgesamt drei Kügelchen einwerfen: Viel Wichtiges, aber was ist Dir am wichtigsten?

Und dann noch die Wolkensäule. „Was ärgert dich an unserer Gemeinde?“ Auch Ärger bahnt eine Richtung, wenn ihm Raum gegeben wird. So durften die Menschen Kerzen anzünden und ihren Ärger vor Gott bringen – und hoffentlich später auch ins Gespräch. Der Rauch der Kerzen war unsere eigene imaginäre Wolkensäule.

Und was kam raus? Viel Anregung („Kaffee in der Kirche“). Ein wenig Erregung („Kaffee in der Kirche?“). Äußerst positive Rückmeldungen. Und eine Wolkensäule, die nun weiter bestückt wird. Wir schauen, was wir als Gemeinde damit machen – aber viel ist schon erreicht. Denn die Menschen fühlen sich ernstgenommen, mitgenommen, aufgenommen.

Mehr davon. Das wünschen sie. Und das kriegen sie.

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