Kinder in der Kirche? Ab in die Ecke!

Schon länger hatten wir überlegt, wie man Eltern ein Signal geben könnte. Ein Signal, das sagt: Ja, Ihr seid willkommen. Und Eure Kinder erst recht. Bisher gab es eine Spielzeugkiste. Auf der Empore. Das war den Älteren zu laut und den Jüngeren zu wenig. Und es war nervig, weil Krabbelkinder und Treppe eine Herausforderung darstellen. Eine Kinderecke muss her. Aber wie?

Mehrere Faktoren machten die Sache kompliziert. Der erste – an sich schöne Faktor – ist die hohe Qualität der Kirchraum-Ausstattung. Zwischen Arne-Jacobsen-Stühlen und Paramenten, die ein Modedesigner aus Israel entworfen hat, kann man nicht einfach eine Ikea-Lösung unterbringen. Das war die Meinung des Presbyteriums. Da müsste man schon Geld in die Hand nehmen. Was für ein außergewöhnlicher Schritt, finde ich und freue mich aufrichtig. Der Auftrag war also, hochwertige Kindermöbel anzuschaffen, die die Ästhetik der Kirche nicht stören und trotzdem den Kindern gerecht werden.

Zweiter Schwierigkeitsfaktor: Die Akustik. Die Kirche ist hellhörig, klein und hoch. Schlechte Voraussetzung für Kinder, das wissen wir aber schon seit der Chaoskirche. Die Kinderecke muss also Schall absorbieren und trotzdem offen in den Raum sein – denn wir wollten bewusst, dass die Kinder mitten im Kirschbaum ihren Platz haben, vor aller Augen, denn sie sind Teil der Gemeinde.

Drittens: Die Eltern sollen weiter dem Gottesdienst folgen können. Eine Glaswand mit Lautsprecher wäre ideal, allerdings viel, viel, viel zu teuer. Was also tun?

Und zuletzt: Das ganze muss mobil sein, wenn Konzerte und Ausstellungen in der Kirche sind, Abendveranstaltungen, die ohnehin nicht die Kindermassen auf den Plan rufen.

Wir haben uns entschieden, die Flucht nach vorne zu wagen. Hochwertiger Filz wurde in der Ecke auf dem Boden ausgelegt. Daneben eine Akustikwand, die wir haben anfertigen lassen. Sicher, das hätte man auch günstiger haben können, aber eben nicht in der ästhetischen Sprache der Kirche. Darum also die Wand aus Filz. Siebzig Zentimeter hoch, damit die Eltern die Kinder im Blick haben und gleichzeitig die Geräusche der Kinder aufgefangen werden.

Tische wollten wir nicht. Lieber Sitzsäcke. Die absorbieren den Schall. Um ökologisch zu bleiben, sind sie mit Dinkel gefüllt, das macht sie zudem auch so schwer, dass sie nicht durch die Gegend geschmissen werden.

Malen wiederum ist schwierig. Daher haben wir beschlossen, eine Tafel zu installieren. Die macht mehr Spaß. Ist allerdings auch lauter als gedacht. Da ist Optimierungsbedarf angemacht.

Und was machen die Kinder sonst? Auf zwei Rollwagen sind Bücher untergebracht. Zum Vorlesen und Selberangucken. Christliche Bücher mit theologischer Weite. Dazu Bausteine aus Kork. Mit denen kann man lautlos spielen, und sie sehen zudem gut aus. Und mobil ist es zudem, komplett abgeräumt in zehn Minuten.

Und das Ergebnis? Die Kinder lieben es. Natürlich, man muss sie immer mal daran erinnern, dass es auch Leute gibt, die dem Gottesdienst folgen wollen. Für die Eltern bietet sich nun die Möglichkeit, einigermaßen dem Gottesdienst zu folgen ohne ständig hinter den Kindern her rennen zu müssen. Nur einige der Älteren hat es geärgert. Vor allem wohl, weil es sowas noch nie gab. Und weil Kinder sich zu benehmen haben. Scheint ein Generationenproblem zu sein – denn die Diskussionen kenne ich auch aus Restaurants, Ausstellungen und überall sonst, wo Kinder auf Alte treffen und nicht Heimrecht haben.

Insgesamt ist die Gemeinde ein Stück einladender, offener, jünger geworden. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

PS: Das Ganze geht auch billiger. Sicher. Ich mag aber die Einsicht des Presbyteriums, dass Kinder Geld kosten dürfen. Weil das ein Schritt in die Richtung ist, die verschiedenen Generationen nicht mit verschiedenem Maß zu messen.

Ein Kommentar zu „Kinder in der Kirche? Ab in die Ecke!

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  1. Schön, dass die Kirchengemeinde hier in die Zukunft invetsiert. Glückwunsch! Denn die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder dabei bleiben oder später wieder zu den Angeboten der Kirche zurückkommen, ist hoch. Wichtiger aber ist das Signal, das Bekenntnis zu den Kindern. Fast bei jedem Gottesdienstbesuch sehe ich in der Friedenskirche genervte, Kopf schüttelnde ältere Herrschaften, oder ich höre sie stöhnen, schnalzen usw.
    Trauriger Höhepunkt war ein (Familien-) Gottesdienst an Heilig Abend: eine dauerhaft in sich hinein motzende ältere Dame brachte neben mir eine Mutter eines Kleinkindes zum weinen. Das Kind: nun ja, es hatte eben Geräusche von sich gegeben und hat sich gelangweilt. So ist das halt. Von Lärm keine Spur. Autos machen Lärm, Flugzeuge und Fußballfans auch. Aber Kinder? Sie leben. Oder sind lebendig. Auch mal (zu) laut. Aber gerade in einer Gemeinschaft wie in der Kirche sollte das eine Selbstverständlichkeit sein. Wenn nicht hier, wo denn bitte sonst?

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